30. März 2026

Von Ultimatum zu Ultimatum

Die Entwicklungen im Nahen Osten dominieren das Marktgeschehen. Auf den Schreck des ersten 48-Stunden-Ultimatums von US-Präsident Trump reagierten die Börsen weltweit verschnupft.

Dann die Wendung zum Wochenstart: Die Ankündigung des US-Präsidenten, eine fünftägige Pause für US-Angriffe auf die iranische Energie-Infrastruktur einzulegen – quasi eine Verlängerung des Ultimatums – hat die beschleunigte Risikoflucht abrupt beendet. Es gab eine massive Kurserholung bei Aktien, Anleihen und Gold. Überhaupt ist festzustellen, dass in den zurückliegenden Tagen alle Anlageklassen in die gleiche Richtung tendierten, es also keine Diversifizierungseffekte gab. Dies mag unterstreichen, wie breit die Verunsicherung rund um den Iran-Krieg derzeit um sich greift. Die nochmalige Verlängerung des ursprünglichen Ultimatums bis zum 6. April hat nur eine verhaltene Markterleichterung mit sich gebracht.

Ein Blick auf das ifo-Geschäftsklima offenbart die weitreichenden Konsequenzen des Iran-Kriegs und der Unterbrechung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus für Konjunktur und Kapitalmärkte. Der Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturindikators im März ging auf die abgerutschten Erwartungen über alle Wirtschaftszweige zurück. Bei den Dienstleistungen sind Einschränkungen für Logistik und Tourismus offenkundig. Im Einzelhandel droht Ungemach durch steigende Inflationsraten mit entsprechendem Kaufkraftverlust und Zurückhaltung bei den privaten Haushalten. Im verarbeitenden Gewerbe spielen die sprunghaft angestiegenen Energiekosten sowie Sorgen um die Verfügbarkeit von Rohstoffen eine belastende Rolle. In der Bauwirtschaft kommt hinzu, dass sich die Aussichten für Zinsen verschlechtert haben.

An den Finanzmärkten sind derzeit mehrere Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank für die kommenden Monate eingepreist. Parallel sind die Renditen von Bundesanleihen und damit auch die Zinsen für Baufinanzierungen spürbar gestiegen. Der Iran-Krieg breitet sich über vielfältige Wirkungskanäle auf die Unternehmen aus.

In der kommenden Woche stehen mit dem Economic Sentiment und den Verbraucherpreisen für die Eurozone sowie dem US-Arbeitsmarktbericht eigentlich wichtige Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. Es bleibt für die Börsen wohl bei einem Wechselbad zwischen Hoffnung auf eine hinreichend stabile Einigung im Nahen Osten und Sorgen um eine noch weitere Eskalation.

Frankfurt, 27. März 2026

30. März 2026

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