1. Dezember 2014

Wenn ein Banker „Theater macht“ …

… denken viele Leser vermutlich an alles Mögliche. Aber wohl kaum daran, dass es dabei tatsächlich um Theater gehen könnte. Doch Uwe Gundlack ist nicht nur engagierter Leiter eines Teams in der Löbauer Sparkassenfiliale, sondern auch als Mime mit Wort, Spiel und Spaß unterwegs. In unserem Interview gibt er Auskunft darüber, was ihn auf Bühne sowie bei der Arbeit antreibt und bewegt.

Hallo Herr Gundlack, kurz zu Ihrer Person. Wie lange sind Sie schon aktiv? Erstens in punkto Theater sowie zweitens für die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, und in welcher Funktion sind Sie hier tätig?

Uwe Gundlack

Das Kabarett und/oder das Theater-Spiel begleiten mich bereits eine ganze Weile, nämlich seit 1988, größere Pausen eingeschlossen. Damals gründeten wir in Löbau dank einer engagierten Lehrerin, Helga Schubert, an der Erweiterten Oberschule (heute: Geschwister Scholl Gymnasium) das Jugendkabarett „Jugendstyl“. Im Zuge der Landesgartenschau (LGS) reaktivierten wir diese Aktivitäten, aus denen letztlich Mimen-Fundus-Neo hervorging.
Und was die Sparkasse Oberlausitz Niederschlesien angeht, so bin ich hier nun seit fast 25 Jahren beruflich aktiv; erst in der Filiale Herrnhut am Schalter, dann in Verbindung mit weiterführenden (Aus)Bildungs- und Studienmaßnahmen nunmehr als Dipl.-Immobilienwirt. Aktuell bin ich im Firmenkundengeschäft tätig und betreue als Abteilungsleiter mit 12 Mitarbeitern unsere Gewerbe- und Firmenkunden im Altkreisgebiet Löbau-Zittau.

Wer und was steckt denn hinter Ihrem engagierten Laienensemble „Mimen-Fundus-Neo“ und woher stammt dieser Name?
Nach der LGS hatte sich ein enthusiastischer Kreis von Mitstreitern gefunden, die Lust und Ehrgeiz hatten, die „Sache“ weiter zu betreiben. Davon blieben sieben „Mimen“, die Freude daran empfinden, andere am Theater teilhaben zu lassen und zu unterhalten. In unserem kleinen Ensemble geht es eben auch quer durch alle beruflichen Facetten: vom Lehrer oder Köchin bis hin zum IT-Fachmann, Banker und Pensionär. Und beim Namen stehen die „Mimen“ für die Schauspieler, der „Fundus“ für ein weites Spektrum und das griechische NEO für die „neue“ Theatergruppe, die nunmehr entstanden ist.

Steht denn aktuell etwas auf dem Programm oder ist bereits in Planung für die kommende Zeit?
Zwei Stücke sind derzeit fest im Programm: unser Sommer-Stück „Faunella und der Gartenfrieden“ und das Winter-Stück „Faunella und die Gartenweihnacht“. Mit diesen sind wir erfolgreich unterwegs. Vor allem der „Gartenfrieden“ hat sich dabei zu einem wahren Dauerbrenner entwickelt. Neben Vereinen, Kirchen und an Schulen konnten wir damit mittlerweile sogar an den Theatern in Zittau, Görlitz sowie Bautzen spielen; für uns Laienschauspieler natürlich eine tolle Erfahrung. Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr zusammen mit der Stadt Löbau das „1. Löbauer Theaterbällchen“ veranstaltet. Und weil die Resonanz so überwältigend war, wird es am 14. März 2015 eine Neuauflage geben. Desweiteren bereiteten wir gemeinsam mit dem Gastronom Andreas Becker unser erstes Theaterdinner vor. Unter dem Motto „Narretei und Völlerei – Spectaculum vor den Toren zu Lubaw anno 1346“ gab es hier erstmalig am 29.11.2014 eine Veranstaltung in der Spitzbergbaude Oderwitz, bei der vor und zwischen den kulinarischen Gängen kulturelle Kost serviert wurde. Darüber hinaus setzen wir auch kleinere Projekte immer wieder in Szene, z. B. zur Féte de la musique, dem Eibauer Bierzug oder anlässlich der 160 Jahrfeier des Gusseisernen Turms.

Was sagen KollegInnen in Ihrer Filiale oder Freunde und Familie zu Ihren Auftritten?
Sicher gab es Anfangs Skepsis und eher ein nachsichtiges Lächeln, sowohl im Freundes- wie im Kollegenkreis. Doch das Echo, das unsere Truppe (bzw. ich) nunmehr erhält, ist äußerst positiv, weil wir neben den Inhalten unserer Stücke auch schauspielerisch überzeugen konnten. Das freut uns natürlich sehr. Und ohne Unterstützung durch die Familie ginge es nicht. Hier bedarf es schon einer ganzen Menge an Verständnis, um das Hobby des Ehemanns und Vaters mit zu tragen. Allein die intensiven Probenzeiträume, Auftritte am Wochenende und die Urlaubsplanung lassen sich nur dank Rückhalt durch Partner und Familie realisieren. Ein großes Dankeschön deshalb an dieser Stelle an meine eigene, aber auch natürlich an die Familien aller Mitglieder unserer Theatergruppe!

Nehmen Sie etwas Konkretes vom Theater mit in Ihren beruflichen Alltag mit all seinen Herausforderungen, oder umgekehrt?
Möchte man etwas erreichen, bedarf es neben Willen, Einsatz und Ausdauer auch Disziplin und einer soliden Grundlage. Im Beruf ist dies neben der fachlichen Basis der Wille zur Weiterentwicklung, um jedes Engagement gemeinsam mit dem Kunden zielorientiert zu verwirklichen. Beim Theaterspiel ist es, auch wenn es sich „nur“ um ein Hobby handelt, wiederum so, dass wir schon den Anspruch haben, dies für uns auf möglichst hohem Niveau umzusetzen. Dafür steht uns neben der eigenen Motivation Frau Schubert mit ihrer Ausbildung als Regisseurin sowie ihrer langjährigen Erfahrung weiterhin tatkräftig zur Verfügung. Letztlich aber sollte jeder – bei aller Ernsthaftigkeit – den Spaß und die Freude, bei allem was man tut, nie vergessen.

Gibt es einen Lieblingsautoren oder eine Autorin und woher kommen Ihre mehr oder weniger dramatischen Stoffe für die Bühne?
Wir setzen in der Regel auf eigene Stücke, die derzeit alle aus der Feder von Helga Schubert stammen. Prinzipiell wichtig ist uns dabei, dass wir auf der Bühne keinen puren „Klamauk“ veranstalten, sondern neben der Unterhaltung auch eine gewisse Bildungs- und Wissensvermittlung nicht zu kurz kommen darf.

Haben Sie abschließend einen Wunsch, was Ihre Theatergruppe in unserer Region betrifft, etwa was Austausch, Resonanz oder Förderung angeht?
Natürlich möchten wir gern noch bekannter werden, uns in der Region weiter etablieren und das Publikum begeistern. Vielleicht wäre auch der eine oder andere Auftritt mehr drin – hier stehen wir immer für Anfragen gern zur Verfügung. Und in punkto finanzielle Aufwendungen z. B. für Werbung, Kostüme und Bühnenbild sowie Reisekosten oder Technik könnten wir – nach wie vor – zusätzliche Förderung oder tatkräftige Sponsoren gebrauchen und würden uns über jedes Angebot freuen.

Herr Gundlack, vielen Dank für Ihren Einsatz bei uns sowie viel Erfolg und Abwechslung auf der Bühne!

Weitere Informationen über Veranstaltungen und Aktivitäten gibt es hier.
Und da es „so ein Theater“ in Löbau eher noch selten gibt, hat unlängst (Aug. 2014) auch die SZ darüber berichtet.

Titelbild: Copyright Mimen-Fundus-Neo (Uwe Gundlack oben links als „Madame Wespee“)

1. Dezember 2014

Ihr Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

zur Aktuell-Übersicht